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Informationen für Mediziner · Chirurgie

Sehr geehrte Frau Kollegin, Sehr geehrter Herr Kollege,

wir wollen Sie in diesem Kapitel über wesentliche Aspekte der Peritoneal-Dialyse aus chirurgischer Sicht informieren. Neben Kontraindikationen, Implantationstechniken mit Vor- und Nachteilen und den häufigsten Komplikationen begründen wir, warum wir generell die laparoskopische Implantationstechnik bevorzugen.

Kontraindikationen

Abdominelle Erkrankungen:

  • Abbildung vergroessernAdhäsionen
  • Bauchwand- oder Zwerchfellhernien
  • Tumorerkrankungen
  • Entzündungen
    • M. Crohn
    • Colitis ulcerosa
    • rez. Divertikuitis


durch Adhäsionen entstehen abdominelle Kompartimente, die den peritonealen Filterprozeß behindern können

Individuelle Faktoren:

  • mangelnde Compliance
  • unzureichende häusliche Situation
    • Single?
    • mangelnde Hygiene?

Präoperative Vorbereitung

  • Abbildung vergroessernRoutine-Labor + Gerinnung + Blutgruppe
  • EKG ( > 40. LJ)
  • Rö-Thorax in 2 Eb. ( > 60. LJ)
  • exit-Markierung am stehenden und sitzenden Patienten
  • am Nachmittag vor der OP forciertes Abführen (Laxantia + Einlauf)
  • bei Prämedikation Blase entleeren
  • bei Narkoseeinleitung perioperative Antibiose (single-shot)

 

Implantationstechniken

Bei beiden OP-Techniken ist der Katheterverlauf in den Bauchdecken identisch:

1. offen-chirurgische Technik:

  • Mini-Laparotomie im medianen Unterbauch
  • ggf. Adhäsiolyse (nur im Unterbauch möglich!)
  • Platzierung des Katheters im Douglas
  • "wasserdichte" Naht von Peritoneum und Faszie
  • Bildung eines subcutanen Tunnels
  • Katheter-Ausleitung latero-caudal (am markierten exit-Punkt)
  • Wundverschluß, Verband
  • erste Funktionskontrolle mit ca. 300-500 ml Dialysat (unbehinderter Ein- und Auslauf)
prinzipielle Nachteile:
  • relativ große Inzision ( Gefahr von Wundinfektionen und besonders von sekundären Narbenhernien)
  • Leckagen bei zu früher Nutzung

2. laparoskopische Technik:

  • "offener" Erstzugang im Mittelbauch (kontralateral zum geplanten exit)
  • 5 oder 10 mm Trokar, Anlage Pneumoperitoneum (12 mm Hg)
  • unter Sicht Einbringen eines 12 mm Trokars suprapubisch 
  • diagnostische Laparoskopie, ggf. Adhäsiolyse
  • Tunnelierung mit Spezialinstrument, durch 12 mm Trokar wieder ausgeleitete
  • retrogrades Einziehen des Katheters in die Bauchhöhle durch den Trokar
  • Platzierung des Katheters im Douglas
  • Ausleiten des Katheters am markierten exit-Punkt
  • Lagekontrolle, Desufflation, Trokar-Entfernung
  • schichtweiser Wundverschluß (Faszie!), Verband
  • erste Funktionskontrolle mit ca. 300-500 ml Dialysat (unbehinderter Ein- und Auslauf?)

Postoperative Nachbehandlung

  • eingeschränkte Bettruhe in den ersten 2-3 Tagen ( Vermeidung von Scherkräften, dadurch ungestörtes Einwachsen der Cuffs im Tunnel)
  • bei klarem Dialysat ca. 500 ml tgl. Spülung
  • bei blutigem Dialysat > 500 ml tgl. Spülung, evt. Zusatz von Heparin zum Blocken des Katheters
  • keine eigentliche Dialyse in den ersten 5 Tagen, danach langsam steigernd
  • sorgfältige Desinfektion/Pflege der OP-Wunden und des Exit

Komplikationen

Intraoperative Komplikationen:

Blasenperforation

  • Übernähung der Perforation
  • Blasenkatheter für 1 Woche
  • Neuplatzierung des PD-Katheters
  • PD für mindestens 1 Woche

Darmperforation 

  • Übernähung der Perforation
  • Abdominallavage, Instillation von Taurolin 
  • Antibiose für 1 Woche 
  • PD für mindestens 1 Woche

Intraabd. Blutung

  • Exakte Blutstillung (ggf. Laparotomie!)
  • Abdominallavage
  • Keine Blutreste im Abdomen belassen
  • tgl. Spülung mit > 500 ml Dialysat + Heparin
  • PD-Katheter mit Heparin blocken

Katheter-Funktionsstörungen:

Schlecht funktionierende Katheter beeinträchtigen den Patienten durch

  • zu lange Einlauf- und Auslaufzeiten
  • erniedrigte Effizienz der PD
  • Schmerzen
  • Hernien

Katheter-Occlusion

  • (durch Blut- oder Fibrin-Koagel)
  • Katheter mit Heparin spülen 
  • Heparin-Zusatz zum Dialysat 
  • evt. Katheter-Fibrinolyse mit Urokinase

Katheter-Umschlag

  • (Dislokation der Katheterspitze intraabdominell)
  • Laufen, Hüpfen, Laxantia (Darmperistaltik)
  • Repositionsversuch mit Führungsdraht
  • laparoskopische Neuplatzierung oder ggf.
  • Neuanlage eines Oreopoulos-Zellermann-Katheters


Postoperative Komplikationen:

Exit-Infektion

Ursache:
  • meist (>75%) Staph. aureus, Pseudomonas
Risiko:
  • nasale Staph.-Träger
  • enge Kleidung
  • Adipositas
  • Immunsuppression

"drohender" Exit-Infekt:

Symptome:
  • Rötung, Schwellung. Krusten
Therapie:
  • professionelle exit-Pflege
  • bei Allergie-Verdacht: Desinf.mittel
  • gegen NaCl tauschen

akuter Exit-Infekt:

Symptome:
  • Rötung, Schwellung, Exsudat (Pus)
Therapie:
  • Abstrich, Antibiose nach Resistogramm
  • Abszessspaltung, Exit-Erweiterung
  • ggf. Katheterentfernung

Tunnel-Infektion

Abbildung vergroessernSymptome:
  • Rötung, Schwellung, Schmerz
  • Exsudat (Pus)
  • Sonographisch: Flüssigkeit um den Cuff
Therapie:
  • Antibiose i.p. nach Kultur
  • Exit-Erweiterung, Tunnellavage
  • obligate Katheter-Entfernung, wenn Cuff infiziert !
  • Durch "Ausstreichen" des Tunnels lässt sich Pus aus dem Exit exprimieren

Peritonitis

Symptome:
  • trübes Auslaufdialysat
  • Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen
  • Fieber
  • >100 Leucocyten/mm³ Dialysat (davon
  • > 50% neutrophile Granulocyten)
Ursachen:
  • intra/periluminaler Infektionsweg
  • (Pflegefehler oder kontaminierte Dialysatbeutel)
  • hämatogen
Therapie:
  • sofortige Antibiose i.p. (nach Kultur)
  • bei fehlendem Ansprechen innerh. 48 Std.
  • Antibiotikawechsel bzw.
  • Katheter-Entfernung, Hämodialyse
  • Neuimplantation frühestens nach 4 Wochen

Prävention von Infekten:

  1. atraumatische OP-Technik
  2. perioperative Antibiose
  3. sorgfältige Pflege des Exit
  4. Vermeidung von enger Kleidung und Druck
  5. Duschen erst nach eingeheiltem Exit 
  6. Bei nasalen Staph.-Trägern Eradikation (Mupirocin, alle 4 Wochen wiederholen) 
  7. gute Einweisung des Pat. in die Katheterpflege

Schon bei Verdacht auf eine Kontamination --> sofortige Vorstellung im Dialysezentrum !

Dort erfolgt neben der klinischen Kontrolle, Laboruntersuchungen und einer Sonographie eine bakteriologische Kultur aus dem Auslauf-Dialysat und eine prophylaktische i.p.-Antibiose.

Leckagen:

Abbildung vergroessernBauchwandödem:

Übertritt von Dialysat in die Bauchdecken durch

  • undichte peritoneale Katheter-Eintrittsstelle
  • insuffiziente Naht d. Laparotomie/Trokarpforte
Therapie:
  • PD-Pause (ggf. überbrückende Hämodialyse)
  • Katheter-Neuanlage
Genitalödem:
  • Initial nicht erkannter oder sekundär eröffneter
  • offener Proc. vaginalis
Therapie:
  • operativer Verschluß

Vergleich "offene" vs. laparoskopische Implantationstechnik

In einer prospektiven randomisierten Studie bei 148 Pat. (72 "offen chirurgisch", 76 laparoskopisch) wurde über einen Beobachtungszeitraum von 3 Jahren die Komplikationsrate und die Funktionsdauer überprüft. 

  "offen chirurgisch" laparoskopisch
"schlechte" Katheterfunktion 8,3% 7,9%
Hohlorgan-Perforation bei Implant. 1,4% 1,3%
Leckage 11,1% 1,3%
Früh-Peritonitis (< 2 W. nach OP) 12,5% 2,6%
Funktionsdauer 62% n. 12 Monaten 77,5%
  26% n. 36 Monaten 63%

M.F.Gadallah et.al., Peritoneoscopic vs Surgical Placement of PD Catheters: A Prospective Randomized Study on Outcome American Journal of Kidney Diseases, Vol. 33, No 1 (1999)  

Vorteile der laparoskopischen Implantationstechnik

  • geringere Komplikationsrate
  • längere Funktionsdauer der Katheter
  • Möglichkeit simultaner Sekundäreingriffe (Adhäsiolyse, Hernienverschluß)
  • geringeres OP-Trauma
  • weniger postoperative Schmerzen
  • schnellere Rekonvaleszenz
  • bessere "Kosmetik"

Aufgrund der vielen Vorteile empfehlen wir grundsätzlich die laparoskopische Implantationstechnik. Wir prüfen aber natürlich in jedem Einzelfall, welches OP-Verfahren für den Patienten am besten geeignet ist und klären ihn entsprechend auf.