Sehr geehrte Patientin, Sehr geehrter Patient,
wir wollen Sie im folgenden Kapitel über wesentliche Aspekte der Bauchfell-Dialyse aus chirurgischer Sicht informieren. Wir erklären, wie Dialyse-Katheter eingebracht werden, welche Vor- und Nachteile bestehen und worauf Sie selbst achten können, damit es möglichst nicht zu Problemen kommt. Sie als Patient haben es selbst mit in der Hand, ob diese Form der Dialyse erfolgreich und langfristig durchgeführt werden kann.
Wann ist Bauchfell-Dialyse nicht möglich (aus chirurgischer Sicht) ?
Es gibt eine Reihe von Erkrankungen im Bauchraum, die eine Bauchfell-Dialyse unmöglich machen. Der häufigste Grund besteht in ausgedehnten Verwachsungen in der Bauchhöhle, wie sie zum Beispiel nach vorausgegangenen Operationen oder nach Entzündungen in der Bauchhöhle entstehen können. Ob bei Ihnen Bauchfell-Dialyse überhaupt möglich ist, kann also letztlich erst während der Operation entschieden werden, da Verwachsungen nicht mit Sicherheit von außen feststellbar sind. Allerdings können besonders bei der "laparoskopischen OP-Technik" Verwachsungen bei der Operation gelöst werden. Brüche der Bauchwand oder des Zwerchfells stellen einen Hinderungsgrund dar, der möglicherweise bei der Katheter-Einpflanzung (oder ggf. in einer vorgeschalteten Operation) beseitigt werden kann.
Entzündungen in der Bauchhöhle, besonders, wenn es sich um "chronische", d.h. wiederkehrende Entzündungen handelt, stehen einer Bauchfell-Dialyse entgegen. Typische Krankheiten sind in diesem Zusammenhang eine "Crohn'sche Erkrankung", eine "Colitis ulzerosa" oder eine "Divertikulitis".
Auch ein Tumor-Leiden im Bauchraum macht diese Form der Dialyse unmöglich.
Ein gut informierter Lebenspartner ist für diese Heimdialyse wertvoll, aber nicht unbedingt erforderlich.
Welche Techniken zum Einbringen des Katheters gibt es?
Grundsätzlich stehen zwei unterschiedliche chirurgische Techniken zum Einbringen des Dialyse-Katheters zur Verfügung. Wir werden beide Verfahren ausführlich mit Ihnen besprechen und die für Sie individuell beste Methode empfehlen. Grundsätzlich unterscheiden sich beide Operationsverfahren mehr durch die Art und Weise, wie der Katheter eingebracht wird. Die eigentliche Dialyse wird dann in gleicher Weise durchgeführt.

I. "offene" Technik:
Bei dieser Methode wird der Katheter über einen kleinen Schnitt im mittleren Unterbauch eingebracht. Dabei werden die Bauchwandschichten sämtlich durchtrennt, die Bauchhöhle eröffnet, der Katheter mit seinem Ende am tiefsten Punkt der Bauchhöhle platziert, das andere Ende des Katheters an einer zuvor markierten Stelle der seitlichen Bauchwand ausgeleitet. Etwaige Verwachsungen (allerdings nur im Unterbauch) können gelöst werden.
Prinzipielle Nachteile dieser OP-Technik:
Wie bei allen Schnitt-Operationen besteht ein gewisses Risiko von Wundheilungsstörungen sowie, auf Grund der Größe des Schnittes (ca. 5-10 cm, je nach Dicke der Bauchdecke) ein erhöhtes Risiko von später auftretenden Narbenbrüchen. Bei zu früher Nutzung des Katheters kann es auch zu sog. "Leckagen" kommen, d.h., es tritt Dialyse-Lösung entlang des Katheters in die Bauchdecken.
II. "laparoskopische" Technik ("Schlüsselloch-Chirurgie"):
Bei diesem Verfahren wird der Katheter im Rahmen einer Bauchspiegelung ("Laparoskopie") eingebracht. Hierfür sind nur zwei bis drei etwa 0,5-1 cm große Einschnitte in die Bauchdecken erforderlich. Durch diese Einschnitte werden Hülsen ("Trokare") in die Bauchdecken gesteckt, die Bauchhöhle wird mit CO2-Gas gefüllt und durch die Hülsen werden dann eine kleine Kamera und die Operations-Instrumente in die Bauchhöhle geschoben. Es wird dann zunächst eine Spiegelung der gesamten Bauchhöhle durchgeführt, um etwaige Verwachsungen oder sonstige krankhafte Befunde festzustellen und ggf. diese sofort zu beseitigen. Anschließend wird durch einen der Trokare der Katheter eingebracht, unter Sicht am tiefsten Punkt platziert und dann an der zuvor markierten Stelle ausgeleitet. Am Ende der Operation wird das anfangs eingebrachte Gas wieder abgelassen.
Prinzipielle Nachteile dieser OP-Technik:
Dieser Eingriff ist nur in Voll-Narkose möglich. Es kann für 1-2 Tage zu Muskelkater-ähnlichen Beschwerden in den Schultern kommen. Die erforderliche technische Ausrüstung ist aufwändig und steht nicht überall zur Verfügung.
Prinzipielle Vorteile dieser OP-Technik:
Aufgrund der winzigen Schnitte sind Wundheilungsstörungen und spätere Narbenbrüche sehr selten. Auch hierbei kann es zu sog. "Leckagen" kommen, die Wahrscheinlichkeit ist aber geringer als bei der offenen Technik. In der Regel können die Katheter schneller benutzt werden. Die kleinen Schnitte sind nicht nur kosmetisch vorteilhafter, sie bereiten nach der Operation auch deutlich weniger Schmerzen.
Was ist zur OP-Vorbereitung nötig?

Reizloser "exit" oberhalb des Hosenbundes
Neben einigen Blut-Untersuchungen (u.a. Blutgruppe, Gerinnung) wird ein EKG (ab dem 40. Lebensjahr) und eine Röntgen-Untersuchung der Lunge (ab dem 60. Lebensjahr) durchgeführt.
Wichtig ist eine genaue Markierung der geplanten Katheter-Austrittsstelle (sog. "exit") im Stehen und Sitzen, damit der Katheter später nicht durch den genau darüber liegenden Gürtel, Hosenbund etc. behindert wird.
Am Nachmittag vor der Operation soll der Patient abführen, unmittelbar vor dem Transport in den Operationssaal nochmals die Blase entleeren. Auch wird bei Narkose-Einleitung sicherheitshalber ein Antibiotikum verabreicht.
Worauf muss nach der Operation geachtet werden?
Ganz entscheidend für einen komplikationslosen Verlauf ist eine sehr sorgfältige Desinfektion und Pflege der OP-Wunden und der Katheter-Austrittsstelle! Hier besteht die größte Gefahr für eintretende Entzündungen/Infektionen.
In den ersten Tagen wird die Bauchhöhle nur mit maximal 500 ml Dialyse-Lösung gespült. Eine eigentliche Bauchfell-Dialyse darf frühestens nach ca. 5 Tagen beginnen.
In den ersten 2-3 Tagen sollte der Patient eine "eingeschränkte Bettruhe" einhalten (Aufstehen nur zum Toilettengang), damit der Katheter in Ruhe in den Bauchdecken einwachsen kann.
Welche Komplikationen können auftreten?
I. Operationsbedingte Komplikationen:
Bei der Operation kann es, in sehr seltenen Fällen, zu einer Verletzung von Blase oder Darm kommen. In diesen Fällen kann sich eine Bauchfell-Dialyse deutlich hinauszögern, bis diese Verletzungen ausgeheilt sind. Es kann auch, wie bei allen Operationen, zu Blutungen kommen. In all diesen Fällen kann es erforderlich werden, die Bauchhöhle durch einen größeren Schnitt zu eröffnen, um die Komplikation sicher versorgen zu können. Extrem selten kann es durch Komplikationen unmöglich werden, überhaupt eine Bauchfell-Dialyse durchzuführen.
II.Katheter-Funktionsstörungen:
Der eingebrachte Katheter kann im Laufe der Zeit verstopfen. Meistens gelingt es aber durch entsprechende Maßnahmen den Katheter wieder frei zu spülen. Gelegentlich verschiebt sich das in der Bauchhöhle liegende Katheter-Ende vom tiefsten Punkt an irgendeine andere Stelle. Dies kann eine ordnungsgemäße Dialyse unmöglich machen, da der normale Flüssigkeitsaustauch in der Bauchhöhle behindert wird. In diesen Fällen ist es öfters notwendig, durch eine neue Laparoskopie das Ende wieder an die richtige Stelle zu legen.
III. Infektionen
Entzündungen ("Infektionen") können an der Katheter-Austrittsstelle oder im Bereich des Katheter-Tunnels (unter der Haut) auftreten. Werden diese Infektionen nicht frühzeitig und konsequent behandelt, kann es von hier aus zu einer Entzündung des Bauchfells ("Peritonitis") kommen. Exit- oder Tunnel-Infektionen werden oft durch antiseptische Maßnahmen und Gabe von Antibiotika beherrscht. Gelingt es hierdurch nicht, die Infektion auszuheilen , muß der Katheter operativ entfernt werden. Das ist auch bei bestimmten Formen der Bauchfellentzündung (Peritonitis) notwendig. In dieser Zeit müssen dann andere Dialyse-Verfahren ("Hämodialyse") angewendet werden. Eine neue Katheter-Anlage zur Bauchfell-Dialyse ist in der Regel frühestens nach 4-6 Wochen möglich.
IV. Leckagen/Bauchwandbrüche
Wenn die Eintrittspforte des Katheters in die Bauchhöhle nicht richtig abdichtet, kann Spülflüssigkeit entlang des Katheters in die Bauchdecken fließen. Dies kann Schmerzen bereiten und die normale Katheterfunktion behindern. Eventuell ist eine gewisse Pause der Bauchfell-Dialyse notwendig (ca. 1-2 Wochen), eventuell auch eine neue Operation.
Durch den erhöhten Druck in der Bauchhöhle während der Dialyse (aufgrund der Spülflüssigkeit) kann es zu vorher nicht bestehenden Brüchen der Bauchdecke kommen (Leisten- oder Narbenbrüchen). Diese müssen dann in aller Regel operativ beseitigt werden.
Gelegentlich kommt es bei Frauen vor der Menopause während des Eisprunges zu Blutungen in die Bauchhöhle. Die auslaufende Spüllösung kann dann kurze Zeit blutig verfärbt sein. Normalerweise entstehen hierdurch aber keine ernsthaften Probleme.
Wie kann man Infektionen verhindern?

Beginnende Entzündung um die Katheter-Austrittsstelle
(Rötung und Schmerzen am Exit)
Neben einer sorgfältigen Operations-Technik und einer vorsorglichen Gabe eines Antibiotikums während der Operation kommt der peniblen Pflege des Katheters die entscheidende Bedeutung in der Infektions-Verhütung zu! Sie werden im Rahmen des stationären Aufenthaltes genau in die hierfür erforderlichen Pflege-Maßnahmen eingewiesen und müssen diese für die gesamte Dauer der Bauchfell-Dialyse gewissenhaft beachten!
Vermeiden Sie auf alle Fälle enge Kleidung und jeglichen Druck auf die Katheter-Austrittsstelle!
Duschen Sie nach der Operation erst, wenn der Katheter richtig eingeheilt ist, in Absprache mit Ihrem Arzt (ca. nach 1 Woche). Stehen Sie in den ersten 2-3 Tagen nur auf, um zur Toilette zu gehen, damit der Katheter in den Bauchdecken richtig einheilen kann.
Wenn Sie nur den geringsten Verdacht haben, dass eine Infektion bestehen könnte (z.B. eine Rötung um den Exit, ein Austreten von Flüssigkeit aus dem Exit neben dem Katheter, ungewohnte Schmerzen, Fieber etc.), stellen Sie sich sofort in Ihrem Dialyse-Zentrum vor! Zur Infektions-Verhütung ist jeder Tag wertvoll.
Welche Operationstechnik ist vorteilhafter?
Wissenschaftliche Untersuchungen und eigene Erfahrungen haben gezeigt, dass insgesamt die "laparoskopische Technik" zum Einbringen eines Dialyse-Katheters eine Reihe von Vorteilen aufweist:
- die Komplikationsrate ist geringer
- die Funktionsdauer ist länger
- Weitere operative Maßnahmen wie Beseitigung von Verwachsungen können gleichzeitig durchgeführt werden
- geringere Schmerzen nach der Operation
- schnellere Erholung
- kaum sichtbare Narben
Ob in Ihrem Fall dieses Operations-Verfahren möglich und empfehlenswert ist, werden wir eingehend prüfen und mit Ihnen ausführlich besprechen.
